Persönliche Werkzeuge

Modellflugverein Reinickendorf e.V.

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Der Forx

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Irgendwie ist man ja immer auf der Suche nach Neuem und Ungewöhnlichem. Da ich auch dem Wasserflug fröne, entdeckte ich vor zwei Jahren in Krugsdorf diesen schmucken Delta, entworfen, gebaut und geflogen von Pussel. Vorbild war die legendäre Northstar. Ich war sehr angetan, sowohl von dem Erscheinungsbild als auch von den Flugleistungen. Das Flugbild ist Delta-like, was jedoch bei Wasserfliegern ungewöhnlich ist. Durch die kompakte Bauweise wirkt er sehr stabil, kann praktisch auf dem Wasser nicht umkippen (geht doch, dazu später aber mehr), ist schnell einsatzbereit und kann sofort auch auf Land geflogen werden. Das Setup entsprach meinen Standard-Akkus (3S3200er). Aber es sollte noch einmal ein Jahr ins Land gehen (ich meine ins Wasser). Als ich jedoch im letzten Jahr den Delta an gleicher Stelle wieder sah und immer noch begeistert war, stand der Entschluß fest - so was muß gebaut werden. Pussel sagte den Bauplan zu und dann konnte sich auch Stefan begeistern, der mal schnell den Bauplan auf die CNC-Fräse schmiß. Wenige Wochen nach Krugsdorf lag ein Frästeilesatz bei mir auf der Werkbank. Er bestand aus allen Rippen für Fläche und Seitenleitwerk, den Rumpf- und Motorgondelspanten, den Seitenteilen sowie Höhen- und Seitenleitwerk. Gurte, Holme, weitere Beplankungsteile und Balsaklötze kamen aus der Bastelkiste. An einigen Stellen mußte improvisiert werden. Aber erstens bin ich Modellbauer und zweitens war das Projekt nicht zum Verkauf für jedermann gedacht. Aber es macht sehr viel mehr Spaß, wenn man gemeinsam an einem Projekt werkelt. Es können die Erfahrungen mehrerer Modellbauer einfließen.

Die Bauweise war etwas ungewöhnlich, vor allem das der voll symmetrischen Tragfläche. Es bedurfte keiner Heling, es wurde einfach die Endleiste flach auf dem Baubrett fixiert und los ging es mit dem Rippensatz. Da es sich um einen Wasserflieger handelt, wurde wasserfester Holzleim verwendet und alle Holzteile mit Holzgrundierung gestrichen. Das Mehrgewicht war fast nicht meßbar. Weiterhin wurden die Tragfläche in sich geschlossen gebaut, so das kein eventuelles Wasser aus dem Rumpf in die Flächen eindringen kann.

Die Querruder werden von unten angeschlagen, durchgehend mit Tesa oder Bügelfolie. Das ist wichtig, damit sich das Wasser nicht im Ruderspalt verwirbelt.


 

 

Viel Mühe habe ich mir mit der Paßgenauigkeit der Akku-Haube gemacht. Schließlich liegt der Rumpf im Wasser, da sollte alles dicht sein. Nach dem der Holzrohbau fertig war, wurde die Haube faltenfrei mit Küchenfolie umhüllt und mittels eingedicktem Harzgemisch ein "saugender" Abdruck im Rumpf gefertigt. Nach dem Austrocknen und Grat entfernen wurde auf das ausgehärtete Harz dünnflüssiges Silikon aufgetragen und die Haube noch einmal aufgepreßt und austrocknen lassen. Zur Haubenfixierung werden starke Magnete verwendet, die nun die Haube auf das dünne Silikonbett pressen. Ein Versuch in gefüllter Badewanne bestätigte, die Haube ist absolut dicht.

Beim Einbau der elektrischen Komponenten muß man sich gut überlegen, wann was eingebaut wird. In der Motorgondel geht es eng zu. Sowohl die verdrillten 2,5mm2 Motorkabel als auch die Servokabel für Höhe und Seite müssen durch den ganzen Rumpf, durch das Seitenleitwerk zur Motorgondel gefädelt werden. Schon alleine der verdrillte Motorkabelzopf bringt ein erstaunliches Gewicht auf die Waage. Aber es sollen am Ende über 50A Strom fließen, da sollte man nicht kleckern mit dem Drahtdurchmesser.


 

 

Auch beim Motoreinbau ist Genauigkeit gefragt. In der Regel werden Außenläufer verwendet, es verbleibt nicht viel Spielraum für den Einbau und die berührungslose Kabelführung. Ein Motor mit einem Außendurchmesser von max. 38mm ist erlaubt. Sowohl ein preiswerter Turnigy D3542/4 1450kV als auch ein Axi 2820/8 haben sich im 3S Setup bewährt, Pussel fliegt den Simprop Magic Torque 35-13 sowohl im 3S als auch 4S Setup.

Die Bodensohle wurde mit 2x 46g GFK verstärkt, schließlich soll der Forx auch auf der Wiese gestartet und gelandet werden. Der Rumpf wurde mit 1x46g GFK und 24h Epoxy beglast, Packetlack hat sich ebenso bewährt Die Elektronik in Servos, Empfänger und Regler wurde mit dünnflüssigem Silikon TSE399 vor Feuchtigkeit geschützt. Ein Trick von Martin befolgend, wurde der hinteren Teil des Rumpfes mit luftgefüllten Folienkissen(Verpackungsmaterial) ausgestopft, somit kann im Falle eines Falles der Rumpf nicht vollständig mit Wasser vollaufen. Das Einstellen des Schwerpunktes gestaltete sich völlig problemlos für das 3S Setup, es ist genügend Spielraum nach vorn und hinten vorhanden. Der Akku wird einfach mittels Klettband auf einem Akkubrett fixiert.


 

 

Der erste Start erfolgte auf Land. Völlig problemlos beschleunigte der Forx auf trockener Wiese und zog seine Bahn in den Himmel. Anfangs etwas kipplig, weil zu wenig Expo bestätigte sich aber der große Geschwindigkeitsbereich. Mit 600W befeuert, geht es ordentlich zu Sache, wenngleich natürlich Pussels 4S Variante noch Jet-verdächtiger daher kommt.

Ansonsten fliegt der Delta wie ein Delta. Das Seitenruder braucht man nur zum Start auf Land oder zu Wasser, in der Luft wirkt es nur auf die Längsachse. Eine Weisheit bestätigte sich schnell: ohne Kühlung wird's heiß, speziell für den Motor. Also wurde die Idee von Pussel umgesetzt, den Spinner mit Kappe und Grundplatte großzügig aus zu arbeiten und der Motorgondel zusätzlich Zu- und Abluftmöglichkeiten zu eröffnen. Dem Akku wird's nicht zu heiß, er liegt offen in dem großzügigen Rumpf.


Auch der erste Wasserstart dieses Jahr in Krugsdorf erfolgt völlig problemlos. Durch die kleinen Schwimmertanks an den Tragflächenenden schwimmt der Forx sehr stabil im Wasser, er macht überhaupt keine Zicken, geht sauber auf Stufe. Dann kann man in aller Ruhe "Schnell-Boot" fahren, eine schöne "Furche" im ruhigen See ziehen, so lange man will, um dann letztendlich leicht am Höhenruder wippend, den Forx abwassern zu lassen. Loopings, Rollen - alles kein Problem. Rückenflug geht auch, dann aber mit ordentlich Tiefe drücken. Das liegt an der hochgesetzten Motoranordnung. Am besten gefallen mir steile Aufschwünge, eine halbe Rolle und dann im steilen Abschwung bis knapp über dem Wasser jagen. Nun flogen also eine Forx-Dreier-Staffel am Krugsdorfer Himmel. Und vielleicht werden es bald mehr.....

Der Forx ist ein schöner Allround-Flieger für jedes Wetter, für Land und Wasser, schnell einsatzbereit und robust. Durch sein ungewöhnliches Design zieht er die Blicke auf sich, fliegerisch unkompliziert. Vielen Dank von meiner Seite an den geistigen Vater Pussel und die Zusammenarbeit mit Stefan.


 

 

Ach so, die Sache mit dem Umkippen: Beim herbstlichen Besuch der Dresdner Freunde in Moritzburg blies ein sehr starker Wind über den See, gefühlt war es fast Sturm. Die Wellen bildeten bereits Schaumkämme. Forx-Wetter , wo andere schon längste vor dem Kamin saßen. In der Luft hat es den Kleinen dann ganz schön durch geschüttelt, aber es flog gut!. Die Landung leicht schräg zum Wind an einer Waldkante entlang der Uferkante war anspruchsvoll. Nach dem ersten sauberen Aufsetzen hob eine Welle den Forx aber doch wieder in die Höhe mit anschließendem Abkippen über die Fläche. Bautz - da schwamm er auf dem Rücken. Leider hatte es durch die seitlichen Scheerkräfte beim Umkippen die Haube doch weg gerissen. Eine Seitliche Führung verhindert dies seitdem. Das Schwierigste war, bei dem Wind die wegtreibende Haube einzufischen. Doch mutige Wasserfliegersportfreunde wagten sich in die stürmischen Fluten. Nach dem Trocknen war der Forx wieder flugbereit. Die Grundierung und das Abdichten der Elektronik mit Silikon hatte sich bestens bewährt. Unter normalen Wetterbedingungen sollte man den Forx nicht zum Umkippen bekommen.

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Und da Stefan sich natürlich auch einen Forx gebaut hat, seht Ihr hier in den Bildern beide Finish-Varianten, die sicher im nächsten Winter noch verfeinert werden. Auf Anfrage ist Stefan gerne bereit, noch weitere Frässätze zu erstellen, fragt einfach nach unter www.die-lehnitzer.de.