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Modellflugverein Reinickendorf e.V.

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Bernard HV320

Bild:Spannweite.png1600mm  Bild:Laenge.png 1455mm  Bild:Gewicht.png 4600g  Bild:Antrieb.png Scorpion HK 4035-500 Bild:Schraube.png16x10  Bild:Akku.png 6S5000

Bernard HV320

Aus Jan‘s Bastelkeller kommen neue Informationen zu einem neuen Bauprojekt. Es wird mal wieder etwas Ungewöhnliches in vielerlei Beziehung. Wer Jan kennt, weiß, das er neben gaaanz langsam auch gerne schnell unterwegs ist. Aber nicht einfach so mit Hotlinern und Zweckmodellen, sondern schon mit vorbildgerechten Modellen. Ungewöhnlich, weil das Modell nie unseren Modellflugplatz sehen wird. Ungewöhnlich, weil es sich zwar um den Nachbau eines Originals handelt, welches selbst aber nie gebaut wurde. Ungewöhnlich, weil es für seine Form sehr schnell werden soll. Ungewöhnlich, weil  es sich um ein Wasser-Rennflugzeug handelt.

Nicht ungewöhnlich ist, dass es sich wieder um ein Gemeinschaftsprojekt von Gleichgesinnten handelt. Somit gab es deutschlandweite Arbeitsteilung. Kuni als Vater der Idee erstellte den CAD Entwurf, hat wunderschöne Spanten für Rumpf und Schwimmer gefräst und diverse GFK-Kleinteile gefertigt. Jan hat die Form für das GFK Schwimmergestell erstellt, aus der bereits einige Gestelle in diversen GFK- und CFK-Kombinationen entsprungen sind. Und Rüdiger hat die Pionierarbeit der ersten Fertigstellung und des Erstfluges bewerkstelligt. Obwohl viel Erfahrung und Proffessionalität an Bord ist, bleibt es doch ein spannendes Projekt mit viel experimentellem Anteil.   Aber zurück zum Modell, es handelt sich um eine Bernard HV320; Maßstab 1:6 mit 1,6m Spannweite.


Die französische Bernard wurde geplant und teilweise gebaut, um an den Schneider-Cuprennen der 20iger/30iger Jahre teilzunehmen. Dabei ging es um Geschwindigkeitsrekorde von Wasserflugzeugen. Da die Bernards HV220/320 um 1930 in zwei Motor-Varianten (mit stehenden und mit hängenden Zylinderbänken) geplant waren, werden diese beiden Varianten auch bei unserem Gemeinschaftsprojekt zu sehen sein. Leider ist die HV220 nie geflogen und die HV320 nie gebaut worden, da die Radium-Motore nicht rechtzeitig zum Schneider Cup 1931 fertig wurden. Sicher ein Fiasko für die damalige französische Flugzeugindustrie. Deshalb gibt es auch relativ wenige Bilder und an manchem Detail muss und darf  improvisiert werden.

  Es hat etwas Überzeugungsarbeit von Kuni gekostet, dass sich Jan auf das Projekt eingelassen hat. Aber am Ende hat die schnittige Performance dieser Flugzeuge überzeugt. Bisher dümpelte Jan auf dem Wasser mit Telemaster & Stinson umher. Na, gut, der Forx war dann schon etwas dynamischer, aber eher optisch als auch körperlich schnell.

Angefangen wurde bereits im Januar 2012, aber der Aufwand wurde doch sehr unterschätzt. Ein Schwimmer hat die Dimension, wo andere Rümpfe bauen. Inzwischen sind die Schwimmer, HLW, SLW und Flächen fertig, der Rumpf befindet sich im Rohbau-Ende. Im Frühjahr 2014 soll alles das erste Mal zusammen gebaut werden, um erste Schwimmversuche durchführen zu können.   Die Flächen sind fertige Flächen von Joachim Nestler, in Styro/Abachi-Bauweise, verstärkt mit eingelegter Kohle und Dübeln, wo später die Verspannung befestigt wird. Nicht sehr leicht, aber sehr fest und schließlich soll es zügig zugehen. Und was passiert, wenn man zu leicht baut, sieht Jan an seiner 2 Meter SE5A, die mit 3kg zum SlowFlyer mutierte und somit kaum realistisch dynamische „Kampfeinsätze“ fliegen kann.

Spannende Frage wie immer sind die Gewichte und der Schwerpunkt. Im Moment wiegt alles zusammen ca. 4,15kg, ohne Finish, ohne Verspannung. Es werden vorsichtig 4,6kg angepeilt. Und es ist schon klar, das alles so weit vorne wir möglich liegen soll.

Die geplante Leistung erfordert ein gehöriges Umdenken beim Leichtbauspezialisten Jan. Z.Bsp. der ursprünglich geplante 1,5mm Verbinder der beiden Höhenruder wurde auf 3mm gepimpt. Der Alu-Flächenverbinder wurde mit hochkant eingeharztem Sperrholz verstärkt. Der Motorspannt wurde großzügig mit Kohlerovings verstärkt. Motor- und Reglerkühlung sind ein ganz spezielles Kapitel bei Wasserflugzeugen.

Als Motor wird ein Heli-Scorpion HK 4035-500 seinen Dienst verrichten, damit sollte die Bernard an 6S 5000er mit 2,0kW passabel bepowert sein. Die nächsten Schritte sind Anpassarbeiten an den Übergängen Rumpf-Schwimmergestell, Flächen und Rumpf finishen und die Abspannungen. Wenn es was Neues gibt, werden wir berichten. Wünschen wir Jan viel Geduld und Zeit, das Projekt in diesem Jahr erfolgreich abschließen zu können. Die weichen Knie vor solch einem Erstflug wünschen wir aber keinem von uns. Wirklich schade, das wir das Modell bei uns auf der MVR-Wiese nicht zu sehen bekommen werden.

Wie es am Ende in etwa aussehen könnte, hat Kuni mit seiner HV220 schon mal vorgemacht:

Ach so: und warum hatte das Original auf dem Bild Räder? Das war nur die Transporthilfe in der Montagehalle. Also doch keine Vorfreude auf eine Begegnung auf unserem Flugfeld....


Update Sommer 2015:

Solch ein spannendes Projekt stemmt man mal nicht in wenigen Wochen. Das jetzt ein paar Jahre ins Land gegangen sind, liegt einfach daran, dass Reparaturprojekte den laufenden Flugbetrieb aufrecht erhalten sollten und somit die Bernard immer wieder in der Priorität nach hinten wanderte. Nichts desto trotz war es im Frühjahr 2015 soweit. Unter fachmännischem Publikum sollte der Erstflug, noch ganz ohne hübschem Kleid in Moritzburg standesgemäß beim Schneider-Training erfolgen. Es muß nicht erwähnt werden, wie dem Protagonisten die Knie zitterten. Das ganze wurde zu Dokumentationszwecken per Videocam aufgezeichnet.

Das Wetter war gut, leichter schräger Wind von vorn, wenig Wellen. Beherzt wurde dann Gas gegeben, leider aber zu wenig Höhe, wie sich später rausstellte. Die Bernard begann zu stampfen und tauchte dann bei voller Fahrt vorne über ins Wasser. Das war‘s erst einmal, zurück an Land mußte alles trocken gelegt werden. Ein paar Stunden später der zweite Versuch. Diesmal verlief der Start sehr glatt. Gewohnt, nach dem Abwassern Höhe schnell nachzulassen, tauchte die Bernard sofort wieder ab. Glücklicherweise reichte die Höhe, um ohne weitere Wasserberührung weiter Fahrt aufzunehmen. Es folgte ein wunderschöner Flug durch den frühabendlichen Himmel. Sie flog vollkommen exakt. Ein paar Rasten Quertrimmung waren notwendig, ansonsten flog die Bernard wie an der Schnur gezogen. Sie lag so satt am Knüppel, dass sofort Loopings und Rollen probiert wurden.

Und wie sagt immer Thilo: Die Geschwindigkeit ist nicht das entscheidende – sondern der Sound. Eine Mischung aus brüllendem Motor und surrenden Abspannungen. Dabei war das mit dem brüllenden Motor leicht übertrieben, denn beim Erstflug war nur eine 13x11APC verbaut mit moderaten 1,5kW. Das da noch was geht, verbleibt der späteren Flugerprobung.

Nun ging es aber an die Königsdisziplin, das Einlanden. Also Eindrehen an der für den Piloten zumutbaren Sichtbarkeitsgrenze und dann sauber abgleiten lassen. Sie läuft, und läuft, und läuft. Aber der See ist auch lang und somit wurde ein Bilderbuchlandung hingelegt, die sogar dem sonst sehr kritischen Fachpublikums Beifall abnötigte. Die Freude war riesen groß. Nicht nur wegen dem geglückten Erstflug, sondern erst recht, weil das Fliegen mit der Bernard ein tolles Erlebnis war. Sie hat Charakter in jeder Beziehung. Sicher kein Alltagsmodell, sicher kein Zweckmodell. Aber auch keine Zicke. Sie will geflogen werden, Speed ist ihre Droge. Sie sieht toll aus in der Luft und macht einen tollen Sound.

Nun hat sich die Bernard ihr Finish verdient. Verbunden mit der Hoffnung, sie bei den nächsten Flugtagen wieder erleben zu dürfen und sich zu ihrer Schwester, der HV220 von Rüdiger zu gesellen.